Grüne Gärten: Wie läuft das Projekt Foodgardens?

Im letzten Jahr des Corona-Lockdowns wurde drängend klar: Der Hunger ist bedrohlicher als das Virus. Keine Arbeit für die Eltern, geschlossene Tagesbetreuung und Ernährungsstationen für die Kinder. Nahrungsmittel sind knapp. Erdrückende Armut überall. Ein Beispiel aus Elandsdoorn: Eine Wellblechhütte mit ca. 16 m2 (4×4 Meter), hier leben 11 Personen. 2 Frauen kümmern sich um 7 eigene Kinder und zwei Waisenkinder. Die einzige Einkommensquelle sind die staatlichen Kinderzuschüsse für die zwei Waisenkinder: umgerechnet ca. 25 Euro pro Monat.

Bittere Armut, der die Ndlovu Care Group den Kampf angesagt hat. Hugo Tempelman hat eine erstaunliche Fähigkeit. Sein Motto: Never waste a good crisis (Vergeude niemals eine gute Krise). Die Menschen dürfen aufgrund des Lockdowns nicht mehr zum Essen kommen, also kommt das Essen zu den Menschen.

Foodgardens als nachhaltige und beständige Hilfe

Für eine regelmäßige Belieferung mit Lebensmittelpaketen sorgte eine großangelegte Spendenaktion. Auch hier halfen die Unterstützer der Hugo Tempelman Stiftung tatkräftig. Um diese Hilfe in Nachhaltigkeit und Beständigkeit zu überführen dient da neue Projekt der Foodgardens.

Das Ziel: vielen Menschen die Selbstversorgung zu ermöglichen.
Der Weg: Gemüsegärten für jedes Haus anlegen.
Die Schwierigkeit: wenig bis keine Fähigkeiten und Erfahrungen im Anbau von Gemüse und eine große Wasserknappheit im Umland.

Die Gemüsegärten der Ndlovu Care Group, die jetzt nicht mehr täglich zur Essensversorgung der Stationen dienten, wurden umfunktioniert zu Setzlingsfarmen. Hier wurde Gemüse vorgezogen, dass dann an die Haushalte verteilt wird. Die Ndlovu Care Group Mitarbeiter wurden alle bei diesem umfangreichen Projekt eingesetzt: Anzucht der Setzlinge, Besuch aller Haushalte zur Vorbereitung der Gemüsegärten und Vermittlung der notwendigen Fertigkeiten, Errichtung der Gärten gemeinsam mit den Familien.

Insgesamt gibt es mittlerweile fast 2.000 Gärten. Mit der Unterstützung der Hugo Tempelman Stiftung und der Stiftung RTL: Wir helfen Kindern konnten davon insgesamt 750 Gärten angelegt werden.

Beautys Garten ist ein Vorzeigebeispiel

Auf unserer Reise im November haben wir uns vom Erfolg dieses Projekts überzeugen können. Überall grünende Gärten, um die sich die Menschen intensiv kümmern. Wir besuchten Beauty und ihre Familie. Seit der Vater starb, hat die Mutter für ihre vier Kinder allein zu sorgen. Beauty und ihre Schwester haben beide jeweils zwei kleine Kinder von älteren Männern, die aber die Vaterrolle nicht einnehmen. Die Frauen sorgen jetzt für neun Personen in der Familie. Durch die Schwangerschaften und die Kinderversorgung ist Beauty zunächst nicht weiter zur Schule gegangen. Dadurch fiel sie den Sozialarbeitern der Ndlovu Care Group auf, die sich von da an der Familie annahmen und unterstützen, wo sie nur können.

Der Garten, den Beauty und ihre Schwester bewirtschaften, wächst und gedeiht. Hier wachsen Salat, Kürbisse, Spinat, Tomaten und Möhren. Auch Mangobäume stehen auf dem Hof, die zum Schutz vor den Ziegen in kleinen Backsteintürmen geschützt stehen. Der Garten ist für die Familie eine so große Hilfe, dass jetzt sogar ein zweites Teilstück abgetrennt wird und ein weiterer Garten angelegt wird.

Die Mädchen haben keine Arbeit, aber sie haben Freude daran, sich um ihren Garten zu kümmern. Der Hof von Beauty und ihrer Familie ist außerordentlich gepflegt und geordnet angelegt. Die Sozialarbeiter berichteten, dass die Gärten nicht nur der Selbstversorgung dienen. Sie bringen auch Sinnhaftigkeit und Struktur in den oft antriebslosen Alltag der Menschen.

Wir haben uns davon überzeugt, dass dieses Projekt ein weiterer wichtiger Baustein der Hilfe zur Selbsthilfe ist.

Der große Garten von Beauty und ihrer Familie versorgt neun Personen.

 

Junge Mangobäume werden vor den Ziegen durch Steinmauern geschützt.

 


Beauty und ihr kleines Baby auf ihrem Hof.

Beautys Schwester und ihr Baby in ihrem kleinen gepflegten Garten. Dahinter wird bereits ein weiteres Stück für einen neuen Garten vorbereitet.

Ndlovu Research Center

Nach mehr als 20 Jahren medizinischer, infrastruktureller und sozialer Arbeit vor Ort können Hugo Tempelman und seine Ndlovu Care Group auf beachtliche Erfolge zurückschauen. Doch es liegt nicht in der Natur des Arztes, sich darauf auszuruhen und es dabei bewenden zu lassen. Sein Hauptaugenmerk legt er immer mehr auf den Bereich der Forschung. Es wurden schon mehrere Forschungsprojekte im Ndlovu Research Consortium installiert und man kann bereits mit ersten Ergebnissen aufwarten.

Da die Aktivitäten in diesem Bereich zukünftig intensiviert werden, ist es nur ein logischer Schritt ein eigenes Forschungszentrum – das Ndlovu Research Center – zu errichten, in dem dauerhaft und gründlich die langfristigen Auswirkungen einer HIV-Infektion, deren verbundenen chronischen Erkrankungen und der sozioökonomischen Probleme untersucht werden können. Es finden nicht nur die Treffen der Forschungsgruppen und die Untersuchungen in diesem Gebäude statt, auch die gesamte Hintergrundarbeit zu den Forschungen ist hier angesiedelt.

Eine derartige Forschungseinrichtung im ländlichen Gebiet ist ungewöhnlich, wird aber dringend benötigt. Mit dieser Einrichtung hat Hugo Tempelman es geschafft, den Fokus internationaler Wissenschaftler auf Elandsdoorn zu richten, auf das was da in der Provinz Limpopo in Südafrika vonstatten geht.

 

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Behindertenförderung im Rehabilitationszentrum Jorishaus

Behindertenförderung ist ein großes Thema bei der Arbeit der Ndlovu Care Group. Geistig und körperlich versehrte Kinder sind oft nicht in der Gesellschaft integriert, oftmals werden sie nicht einmal medizinisch ausreichend versorgt, dabei ist die Anfälligkeit dieser Kinder noch viel größer. Entsprechende Studien belegen, dass die in einem Gebiet herrschende Armut, der Mangel an Zugang zu nährstoffhaltiger Nahrung, die Exposition gegenüber Umweltfaktoren und Krankheitserregern sowie soziale und sonstige Risiken die Häufigkeit von Behinderungen beeinflussen. Unzureichender Wohnraum erweist sich für behinderte Kinder als besonders negativ. Leider ist die vorherrschende Meinung in betroffenen Familien immer noch, diese Kinder im Haus wegzusperren wäre die beste Maßnahme für ihren Schutz. Alarmierend ist, dass die Hinweise auf Missbrauch immer häufiger auftreten. Die Art des von behinderten Kindern erlebten Missbrauchs hängt häufig mit der Art ihrer Behinderungen zusammen: geistig und körperlich behinderte Kinder werden häufiger sexuell missbraucht, während lernbehinderte Kinder in besonders hohem Maße Vernachlässigung und Mobbing erleben. Das Ergebnis ist eine lebenslange Abhängigkeit von der Versorgung durch die Familie.

 

Eine Früherkennung von Behinderungen ist essenziell, um sicherzustellen, dass die Kinder effektiv behandelt und rehabilitiert werden. Leider werden Behinderungen jedoch oft erst recht spät im Leben der Kinder erkannt. Eine Verkümmerung dieser Kinder durch Vernachlässigung zu verhindern ist jedoch durch effektive Intervention möglich. Die Ndlovu Care Group hat sich das zum Ziel gesetzt. Das Jorishaus ist eine Tagesbetreuungsstätte, die sich ganz diesen Menschen widmen. Dabei ist es kein Betreuungsheim, sondern die Kinder wie auch die Eltern sollen hier ausgebildet werden. Ihnen wird gezeigt, wie mit der jeweiligen Behinderung umzugehen ist, wie die Kinder gefördert werden können. Es ist ein Tagesprogramm. Die Kinder werden nicht aus den Familien genommen. Drei Tage in der Woche ist das Programm im Haus, drei Tage gehen die Mitarbeiter zu den Familien nach Hause, sehen sich die Lebenssituationen vor Ort an und geben praktische, individuelle Hilfestellung, wie der Alltag behindertengerechter gemeistert werden kann.

 

Die Betreuung fußt auf dem Conductive Education System. Es werden Generalisten dabei ausgebildet in übergreifenden Bereichen der Physiotherapie, Orthopädie, Logopädie, Kinderbetreuung. Im weiteren Verlauf soll es eine Ausbildungsschule geschaffen werden.

 

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Zu Besuch in Elandsdoorn: Behindertenrehabilitationszentrum Jorishaus

Der neue Transportbus – eine große Erleichterung für die Kinder aus dem Behindertenrehabilitationszentrum Jorishaus

Bemerkenswerter Erfolg für das Behinderten-Rehabilitationszentrum Jorishaus

Spannende Zeiten für die Kinder aus dem Jorishaus

Behinderte Kinder in Südafrika?

Das Jahr der Integration

Aktuelles aus dem Jorishaus; dem Betreuungszentrum für behinderte Kinder der Ndlovu Care Group

Freunde im Rollstuhl: die besondere Geschichte von Danny und Onkel Joseph

 

Conductive Ecducators lehren die Familien, ihr gehandicapten Kinder körperlich zu fördern.

 

Die ersten beiden Jugendlichen aus dem Jorishaus haben erfolgreich an einem Weiterbildungskurs teilgenommen und können nun ins Arbeitsleben vermittelt werden

Gesunde und regelmäßige Ernährung ist essentiell in der Tagesbetreuungsstätte Jorishaus.

 

Auch Sport gehört zum Betreuungsprogramm des Jorishauses.

 

Viele Familien aus der Umgebung kamen zu Eröffnung des Jorishauses und nahmen das Angebot der Ndlovu Care Group wahr.

Mobiler Zahnarzt

Dem Thema Zahnvorsorge kommt in den ländlichen Regionen traditionell wenig Beachtung zu. Die Ndlovu Care Group startete daher ein Aufklärungsprogramm, das neben der zahnärztlichen Versorgung für ein Umdenken in Sachen Zahngesundheit sorgen soll – insbesondere bei jungen Menschen.
Das Motto: “Black is beautiful. But not in your mouth”
Ausgebildete Zahnarzthelferinnen besuchen regelmäßig Schulen, untersuchen die Schüler der ersten und zweiten Klassen und vergeben Termine beim Zahnarzt, der seine Behandlungen in einer mobilen Praxis kostenlos durchführt.

 

Mutter-Kind-Programm

Das Mutter-Kind-Programm bietet schwangeren Frauen eine umfassende Versorgung rund um die Geburt ihrer Kinder. Kernelement des Programms ist eine Therapie zur Vorbeugung der HIV-Übertragung von Müttern auf ihre ungeborenen Kinder, die das Risiko einer Ansteckung drastisch reduziert. Seit 2003 kommt diese Therapieform im Ndlovu Medical Center zur Anwendung – mit phänomenalem Erfolg: Durch die Behandlung im Zentrum bringen heute 99 % der HIV-infizierten Mütter gesunde, HIV-negative Babys zur Welt.

Seit 2008 wurden in der Mutter-Kind-Klinik der Ndlovu Care Group insgesamt 2838 Kinder geboren. 538 Mütter waren HIV-positiv. Jede einzelne von ihnen brachte ein gesundes, HIV-negatives Baby zur Welt. Das ist ein Riesenerfolg. Im Rahmen des Mutter-Kind-Programms werden die Frauen in der Klinik zudem über Sexualhygiene, den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten und die Gefahren von HIV und Aids aufgeklärt. Über 180 Frauen nehmen dieses Informationsangebot jeden Monat in Anspruch. Ein kostenloses Gebärmutterhalskrebs-Behandlungsprogramm wird ebenfalls angeboten.

2016 musste die Mutter-Kind-Klinik zunächst geschlossen werden. Hugo Tempelman erklärte dies in einem offenen Brief: „Mit großem Bedauern, aber in gutem Geiste möchten wir Sie darüber informieren, dass die 24h-Mutter-Kind-Klinik im Medical Center in Elandsdoorn geschlossen wird. Wir wurden durch das Gesundheitsministerium informiert, dass die Privatkliniklizenz für den 24h-Betrieb nicht erneuert wird, solange nicht umfassende Investitionen getätigt werden. Es war nie unsere Absicht eine Privatklinik zu werden, aber das Anbieten eines 24h-Services bringt uns in diese Kategorie.“

Lesen Sie ausführlich dazu: Das Ende einer Ära einfühlsamen Helfens und außergewöhnlichen Erfolgs

Allerdings bleibt die medizinische Grundversorgung und Betreuung im Medical Center im Rahmen einer 12h-Klinik erhalten.

 

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HIV-Therapie-Programm

Seit 2003 behandeln Hugo Tempelman und sein Ärzteteam HIV-Patienten im Ndlovu Medical Center mit den in Europa üblichen antiretroviralen Therapien. Obgleich die Medikamente nicht heilen können, verbessern sie das Immunsystem und machen die Patienten weniger anfällig für gefährliche Infektionen. Sie erhöhen die Lebenserwartung und verbessern die Lebensqualität entscheidend.

Ein HIV-Impfstoff ist das ultimative Ziel an dem Forschungsgruppen intensiv forschen. Im April 2016 kontaktierte das HIV Vaccine Trails Network Dr. Hugo Tempelman. Das Network hat einen Impfstoff gegen AIDS entwickelt und will nun nach der Tierversuchsphase in die Humanstudie starten.

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Ein Impfstoff gegen HIV – Ndlovu ist Teil der Forschung

 

 

Aids-Aufklärung in Schulen und Gemeinden

Im Zentrum des Elandsdoorner Programms steht die Aufklärung von Teenagern zu den Gefahren von HIV und Aids im Idealfall bevor sie selbst sexuell aktiv werden. Fünf Teams gleichaltriger Jugendlicher besuchen aktuell die Schulen der Region und informieren in Theaterstücken spielerisch über das Virus und seine Verbreitung. In anschließenden Workshops thematisieren sie im Dialog mit den Schülern Sexualität, Ansteckungsrisiken, Inzest und sexuelle Freizügigkeit. Durch regelmäßige Informationskampagnen in Dörfern und Gemeinden leistet das Aids-Aufklärungsprogramm zudem einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung der Betroffenen.