Das Jahr der Integration

In diesem Jahr steht bei Hugo Tempelmans Ndlovu Care Group vieles im Zeichen der Integration von behinderten Kindern. Seit langem schon beschäftigt es das Team, das geistig und körperlich versehrte Kinder nicht nur nicht in der Gesellschaft integriert sind, oftmals werden sie nicht einmal medizinisch ausreichend versorgt, dabei ist die Anfälligkeit dieser Kinder noch viel größer. Entsprechende Studien belegen, dass die in einem Gebiet herrschende Armut, der Mangel an Zugang zu nährstoffhaltiger Nahrung, die Exposition gegenüber Umweltfaktoren und Krankheitserregern sowie soziale und sonstige Risiken die Häufigkeit von Behinderungen beeinflussen. Unzureichender Wohnraum erweist sich für behinderte Kinder als besonders negativ. Leider ist die vorherrschende Meinung in betroffenen Familien immer noch, diese Kinder im Haus wegzusperren wäre die beste Maßnahme für ihren Schutz. Alarmierend ist, dass die Hinweise auf Missbrauch immer häufiger auftreten. Die Art des von behinderten Kindern erlebten Missbrauchs hängt häufig mit der Art ihrer Behinderungen zusammen: geistig und körperlich behinderte Kinder werden häufiger sexuell missbraucht, während lernbehinderte Kinder besonders unter Vernachlässigung leiden.

Es gibt landesweit nur wenige Belege für einen Zugang zu frühkindlicher Förderung für behinderte Vorschulkinder. 2009 kam eine an fünf Schulen für Gehörlose in den Provinzen Eastern Cape, Free State und KwaZulu Natal durchgeführte, informelle, kommunal orientierte Studie zu dem Ergebnis, dass gehörlose Kinder nichts über HIV und AIDS, Sexualerziehung, Vergewaltigung, Abtreibung, Missbrauch und Belästigung wussten. In Fällen, in denen sie Lebenskompetenzunterricht erhielten, verstanden gehörlose Kinder die Lehrer nicht immer richtig, da deren Erklärungen häufig nicht in südafrikanischer Zeichensprache erfolgten bzw. für die Schulung keine selbst gehörlosen Lehrer hinzugezogen wurden. Eine große Anzahl an Jugendlichen mit Behinderungen geht nicht zur Schule und können daher auch nicht von an Schulen angesiedelten HIV- und kinderschutzorientierten Programmen profitieren.

Die Ndlovu Care Group unternimmt seit Ende letzten Jahres enorme Anstrengungen, um diese Kinder aufzufangen und ihnen eine fürsorgliche, kindgerechte Umgebung zu schaffen und ihnen vor allem eine behindertengerechte Bildung und Förderung bereitzustellen.

Bereits bei unserem Besuch im Oktober konnten wir im wahrsten Sinne des Wortes die ersten Eckpfeiler sehen. Hier wurde mit dem Bau des Joris Haus begonnen – eine Tagespflegestätte zur Betreuung und Versorgung von behinderten Kindern.

 

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