Das Miracle-Theater in Elandsdoorn erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Das im Jahr 2008 eröffnete Theater – das erste überhaupt in einem ländlichen Township in Südafrika – ist Kino, Theater, Musikschule und AIDS-Aufklärungsstelle in einem. Es ist mittlerweile als Gemeindezentrum eine feste Größe für die Bevölkerung. Hier werden ebenso Renten ausgezahlt, wie kulturelle Veranstaltungen gegeben aber auch kontinuierliche Aidsaufklärungs- und -präventionsveranstaltungen stattfinden. Es beheimatet unter anderem den Ndlovu Youth Choir, der aus rund 40 jungen Sängerinnen und Sängern besteht und im „Miracle“ jeden Donnerstag probt.
Seit dem letzten Jahr ist Sandile – ein Mitglied des Chors – Veranstaltungsleiter des Miracle. Und seine Arbeit und vor allem sein Engagement machen sich wirklich bemerkbar. Er initiierte die Einladung anderer Chöre ins Mircale, die dann dort zusammen mit dem Ndlovu Youth Choir auftreten, und rührt dafür auch kräftig die Werbetrommel.
Daneben finden immer Donnerstag die Movie-Nights statt. Im Mandela-Monat Juli werden vornehmlich Filme um das Thema Nelson Mandela gezeigt, aber natürlich auch andere Unterhaltungsfilme. Das ist für so eine kleine Gemeinde wie Elandsdoorn ein großer Fortschritt. Man kann seine eigene Verpflegung mitbringen, doch Alkohol ist ausdrücklich untersagt.
Auch für diese Veranstaltungsreihe zeichnet Sandile verantwortlich. Seine Geschichte ist ein weiteres herausragendes Beispiel, was aus Kindern aus der Gemeinde werden kann, wenn sie gefordert und gefördert werden. Sandile hat das Glück – im Gegensatz zu vielen seiner Freunde – ein intaktes Elternhaus zu haben. Er schloss sich relativ früh dem Ndlovu Youth Choir an und wurde einer der zentralen Sänger in der ersten Reihe. Sowohl sein gesangliches als auch sein tänzerisches Talent vielen auf. Aber auch seine Begeisterung für die Musik und die Technik ließen ihn sehr eng mit Ralf dem Chorleiter zusammenarbeiten.
Schließlich wurde beschlossen, Sandile eine Ausbildung im Tonstudio (eine Spende der Firma Thomann, die über die Hugo Tempelman Stiftung arrangiert wurde) zu ermöglichen, die ihn befähigt, die technische Equipment-Betreuung des Chors und des Miracle-Theaters professionell zu übernehmen. Und dabei blieb es nicht: Der Ideenreichtum und die Begeisterung Sandiles greifen über und so überrascht er Ralf, Hugo und die ganze Gemeinde immer wieder mit neuen Veranstaltungs- und Nutzungsideen für das Miracle-Theater.
Sandile beim Auftritt in der Südafrikanische Botschaft in Berlin im April 2015
Dabei ist er kreativ aber gleichzeitig auch verantwortungsbewusst. Beispielsweise wird Ende des Monats der ICE AGE-Film für die Kleinsten gezeigt. Damit diese auch sicher nach Hause kommen und es nicht zu spät für die Kinder wird, wurde die Veranstaltung extra auf den Nachmittag verlegt.
Durch die Umwandlung der 24h-Mutter-Kind-Klinik in eine 12h-Stunden-Klinik wird im Medical Center in Elandsdoorn Platz frei. Das Medical Center umfasst zwei Gebäudekomplexe. In einem werden der grundlegende Gesundheitsservice und die Forschungsstationen wie bisher auch betrieben. In dem anderen nun leer stehenden Gebäude – es werden keine stationären Aufnahmen mehr gemacht – bekommt die Audiology-Klinik ihr neues Zuhause.
Blick auf das Gelände des Ndlovu Medical Centers
Die Services rund um das Gehör werden immer umfangreicher:
Anfang Mai absolvierten die Mitarbeiter der Audiology Klinik einen umfassenden Kurs über Hörgeräte. Dazu gehört nicht nur, wie diese Geräte getragen, gereinigt und gepflegt werden. Wichtig ist, wie die Batterie gewechselt werden und wie geprüft werden kann, ob der Akku noch funktioniert. Ebenso war die grundlegende Fehlerbehebung Teil des Kurses, wie auch die Ursachenüberprüfung für mögliches Pfeifen oder gar keine Tonwiedergabe. Die Gemeindemitglieder erwarten vom Klinikpersonal, dass es in diesen Dingen Bescheid weiß und jederzeit zur Hand gehen kann.
Mitarbeiterin der Audiology-Klinik beim Hörgeräte-Test
Auch im Bereich des Hörscreenings hält die Technik Einzug. Seit Anfang März hat das Audiology Team die Möglichkeit, Südafrikas ersten Test durchzuführen, der Hörscreening via Smartphone ermöglicht. Der Test ist einfach und leicht zu bedienen und dauert etwa 2 Minuten. Die Teammitglieder, die es bereits angewendet haben, wollen gar nicht mehr mit dem Testen aufhören. Nicht nur die einfache Handhabung auch die Leichtigkeit bezüglich des Gewichts begeistert. Was jetzt auf dem Smartphone geschieht, steht ganz im Gegensatz zu den bisherigen schweren Geräte, die für das Screening aufgebaut werden mussten. Durch die schnelle Funktionsweise und leichte Bedienbarkeit können in gleicher Zeit mehr Leute getestet werden als vorher. Und der Smartphone-Test hat auch einen automatischen Lärmpegelsensor. Wenn die Hintergrundgeräusche zu störend sind, sendet er eine Nachricht an den Tester.
Hörscreening übers Smartphone. Das Handzeichen zeigt an, dass es funktioniert.Die Mitarbeiter sind begeistert.
Das Hörscreening entwickelt sich also immer weiter und wird ständig verbessert. Das ist auch wichtig, denn in Südafrika ist das Hörscreening eine der wichtigsten diagnostischen Grundlagen. HIV oder Aids erhöht das Risiko von Hörverlusten und hemmen die Sprachentwicklung. Babys von HIV-positiven Müttern leiden durch die Virusinfektion mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit unter angeborene Schwerhörigkeit oder entwickeln im Laufe der Zeit eine Hörschädigung. Der Verlust des Gehörs hat unweigerlich weitreichende emotionale, soziale, aber auch berufliche und somit wirtschaftliche Konsequenzen. Deswegen ist die Überwachung bei Patienten mit HIV/AIDS und Tuberkulose wichtig. Schwerhörigkeit – als eine nicht übertragbare Krankheit – wird als das häufigste sensorische Defizit der menschlichen Bevölkerung angesehen. Es wird geschätzt, dass mindesten 41 Millionen Kinder im Alter von unter 15 Jahren in den Entwicklungsländern mit Hörverlust leben. Das macht diese Krankheit in Entwicklungsländern wie Südafrika zu einer leisen, übersehenen Epidemie. Die Ndlovu Care Group bietet seit dem Jahr 2014 deswegen verstärkt audiologische Untersuchungen zur Gesundheitsförderung am Ohr an.
Die Career Expo 2016 war ein großartiger Erfolg für rund 800 Schüler und Schülerinnen der Oberstufe. Die Berufsmesse fand im Miracle Theater in Elandsdoorn statt. Wie geht es nach dem Schulabschluss weiter – das ist die zentrale Frage, die die Jugendlichen beschäftigen. Die Career Expo gibt den Schülern einen Überblick der Möglichkeiten, von denen sie vielleicht nicht einmal zu träumen wagten. Organisiert wird dieses Event von der BYI, der Bantwane Youth Initiative. Dies ist eine Organisation junger, dynamischer Fachkräfte, die alle aus dem ländlichen Gebiet um Elandsdoorn stammen und ihren Weg gemacht haben. Die Ndlovu Care Group unterstützt die Jugendorganisation und steht ihr als Partner zur Seite. Das Augenmerk von Hugo Tempelman liegt natürlich nicht ausschließlich auf der Mutter-Kind-Versorgung und der Aidsprävention, sondern genauso auf der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen. Dass diese Kinder zur Schule gehen können und sich mit einer Berufsausbildung einen Job und eine Zukunft sichern können.
Die Mitglieder der BYI sind schon die erste Generation, die etwas zurückgeben kann. Diese jungen Leute kommen zurück nach ihrer Ausbildung und helfen ihren Gemeinden sich weiterzuentwickeln. Hier macht sich die seit 22 Jahren kontinuierliche und nachhaltige Arbeit von Hugo und Liesje bezahlt. Die Mitglieder der BYI haben es allesamt geschafft, das ländliche, ärmliche Leben hinter sich zu lassen und ein beruflich erfolgreiches Leben in der Stadt zu führen. Doch sie haben nicht vergessen, wo sie herkommen. Vor allem wollen sie den Kindern und Jugendlichen der Region die Chancen und Möglichkeiten aufzeigen, die Welt, die ihnen offen steht, wenn sie fleißig lernen und tüchtig sind. Die Initiative möchte etwas bewegen und die Career Expo ist dabei ein wichtiger Schritt.
Lea, die derzeit ihr freiwilliges diakonisches Jahr bei der Ndlovu Care Group absolviert, beschreibt in ihrem Blog ihren Eindruck: „Interessant: ich, als ehemalige Abiturientin nun in der gleichen Situation, entscheide mich in Deutschland für einen Studiengang oder einen Ausbildungsplatz hauptsächlich aus Interesse. Zwar spielen finanzielle Aussichten eine Rolle – doch für die Meisten geht es erstmal darum, zu finden, was uns Spaß macht. Ein echtes Privileg. Im Schwellenland Südafrika sieht das anders aus. „Was braucht unser Land?“, ist die erste Frage; die schwächelnde Industrie muss angekurbelt werden, hochgebildete Geisteswissenschaftler oder gar Künstler haben also kaum oder signifikant schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als beispielsweise ein guter Handwerker. Tatsächlich wird den Schülern und Schülerinnen hier geraten, einen Beruf rein nach Zukunftsaussichten zu ergreifen.“
Die Kinder- und Jugendarbeit in Elandsdoorn trägt erste Früchte. Damit wir an dieser Stelle weiter arbeiten und Positives berichten können benötigen wir dringend auch weiterhin Ihre Spenden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Vor etwas mehr als einem Jahr haben wir uns riesig gefreut, bekannt geben zu können, dass Lawrence und Charlotte aus dem Ndlovu CHAMP Kinderprogramm ausgewählt wurden, am Clipper-round-the-world-Yachtrennen der Sapinda Rainbow Foundation teilzunehmen. Nachdem Lawrence bereits im Herbst letzten Jahres seine Reise absolvierte, trat Charlotte Ende März ihre große Reise an.
Lawrence und Charlotte wurden ausgewählt am Clipper-round-the-world_Yachtrennen teilzunehmen.
Sie nimmt an der 6. Staffel des Rennens teil und startet in Qingdao, China. Ihr Weg führt sie dann in 33 Tage 9000 km quer über den Pazifik bis nach Seattle, USA. Charlotte wurde von der Sapinda Rainbow Foundation unter den vielen Bewerbern aufgrund ihrer körperlichen Fitness und Stärke (ihr Hobby ist Kickboxen) und ihrer Gewinnermentalität ausgewählt. Sie sagt selbst: „Ich glaube, ich kann alles schaffen, wenn ich konzentriert auf meine Ziele und Träume bleibe, egal, welche Herausforderungen noch auf mich zu kommen.“
In ihren ersten Lebensjahren musste Charlotte harte Schicksalsschläge verkraften. Im Jahr 2002 verlor sie ihre Mutter. Charlotte war zu diesem Zeitpunkt in der 4. Klasse. Sie und ihre Schwester blieben als Vollwaisen im Haus ihrer Eltern zurück, waren auf sich allein gestellt und mussten für sich selbst sorgen. Als ihre Schwester fortging nach Witbank, blieb Charlotte völlig allein zurück. Das war die Situation, die die Ndlovu-Mitarbeiter vorfanden, als sie Charlotte das erste Mal als kleines Mädchen trafen.
Doch die Mutigen kommen weiter: Charlotte hat sich niemals versteckt, sich jeder Herausforderung gestellt. Sie ist auf jeder Ndlovu-Veranstaltung zugegen, engagiert sich, wo immer Hilfe benötigt wird und ist eine der Top-Sängerinnen im Ndlovu Youth Choir. Ihr Engagement im Rahmen des Ndlovu CHAMP Kinderprogramms brachte sie weg von der Straße, brachte ihr eine Heimat, einen Freundeskreis und eine Zukunft, die sie zu nutzen entschlossen ist. So brach sie dann auch verdientermaßen zu diesem großen Abenteuer im März dieses Jahres auf. Zuvor bereitete sie sich monatelang physisch und psychisch intensiv auf die Reise vor. Im April des letzten Jahres absolvierte Charlotte zusammen mit Lawrence ein Vorbereitungstraining in London. Das allein war schon ein großes Abenteuer. Auf dem Schiff bekamen sie im Schnelldurchlauf von 2 Wochen einen intensiven Einblick in die Herausforderungen, die sich ihnen auf See stellen werden.
Charlotte im Trainingslager
Kurz bevor Charlotte am 20. März zu ihrem Rennen aufbrach, schrieb sie:
„Ich bin so aufgeregt und freu mich so sehr auf den Start des Rennens und endlich meine Crew-Mitglieder kennenzulernen. Meine Freunde, Familie und die Gemeinde zu Hause sind auch so aufgeregt, dass ich an diesem Rennen teilnehme und das jemand aus ihrer Mitte was anderes macht, einen anderen Weg beschreitet. Es ist eine Motivation für die jungen Leute besonders für die Außenseiter oder die Teenager-Mütter, die sich besonders darauf freuen, mich zu treffen, wenn ich wieder komme und alles über meine Reise zu hören.
Ich freu mich darauf zu lernen und mit Menschen zu arbeiten, die alle unterschiedliche Hintergründe, Kulturen und Religionen haben. Ich glaube, für mich wird die größte Herausforderung nicht seekrank zu werden. Ich wurde sogar schon im Trainingslager in London seekrank. Aber ich bin willens zu lernen und mich dem zu stellen – ich denke, diese Einstellung wird helfen.
Ich glaube, ich kann Mut und Motivation ins Team einbringen. Ich habe viele Ratschläge von meinen Kameraden bekommen und werde diese beherzigen. Sie erzählten von den guten aber auch den schlechten Erfahrungen wie z. B. den Stürmen, der Kälte und auch Kommunikationsschwierigkeiten im Team. Ich werde definitiv einiges Neues über mich erfahren und ich hoffe, ich werde durch die Teilnahme an diesem Rennen mental noch stärker und sicherer.
Ich denke, diese Erfahrung wird einen großen Eindruck bei mir und meiner Gemeinde hinterlassen, wenn ich wieder zurück bin. Mit Sicherheit zeigt es, dass Du alles erreichen kannst, wenn Du für Dich selbst einstehst, für Deine Zukunft kämpft, jede Möglichkeit ausschöpfst. Ich möchte den Menschen zeigen, dass die guten Dinge im Leben nicht einfach so passieren, dass du dich den Herausforderungen stellen musst, um daran zu wachsen. Dass du auch scheitern wirst, bevor du erfolgreich sein wirst.“
Charlotte kurz vorm Abflug nach Qingdao
Das Ziel dieser Reise ist es, dass die jungen Teilnehmer aus dem Ndlovu CHAMP Kinderprogramm die Erfahrungen, die sie auf dieser Reise machen, ihre persönliche Entwicklung derart beeinflussen, dass sie ihre neuen Fähigkeiten selbstbewusst in die Gemeinde tragen und andere inspirieren. Charlotte ist bereits jetzt so motivierend und positiv. Während ihrer Reise erreichte uns folgende Nachricht von ihr am 29. März:
„Ich möchte mich bei allen bedanken, die diese unglaubliche Reise möglich gemacht haben. Es ist so spannend und ich habe wirklich viel Spaß. In Qingdao war es wirklich schwierig mit den Menschen zu kommunizieren, da sie kein Englisch verstanden und alle Auszeichnungen in den Läden ausschließlich auf Chinesisch waren. Nichtsdestotrotz ist Qingdao ein wirklich wunderschöner Ort.
Der Start des Rennens war unglaublich, ich war hingerissen von den Leuten und das Feuerwerk war wundervoll. Zweimal sind wir die Parade gefahren, haben den Menschen zugewunken, die zur Verabschiedung kamen. Das Rennen startet nicht genau am 20. Da wir den Motor erst außerhalb des Hafens anwerfen konnten, um die Fischernetze vor der Küste nicht zu beschädigen. Also ging es früh um 7:00 Uhr am nächsten Morgen los und jeder war an Deck, um den Rennstart nicht zu verpassen.
Aufbruch zur großen Reise (Charlotte 3. v.r.)
Jeder außer mir, denn wie befürchtet war ich sofort seekrank. Ich hatte so schweres Magengrummeln, das war wirklich nicht schön. Ich habe mich wirklich schlecht gefühlt, nicht nur wegen der Seekrankheit, auch weil ich das Gefühl hatte, die Crew im Stich zu lassen. Aber sie versicherten mir, dass alles vollkommen in Ordnung wäre, da es schon mal vorkommen kann, dass jemand in der ersten Woche wegen Krankheit ausfällt. Das hält sie aber nicht davon ab, weiterzumachen, die nächste Etappe muss erreicht werden.
Das hat mich gelehrt, dass es im Leben immer Höhen und Tiefen gibt, aber dass man nicht zulassen darf, dass einen das zurückwirft. Dann muss es heißen: Zähne zusammenbeißen und weitermachen.“
Bei der täglichen Arbeit
Das war 2 Tage vor dem schrecklichen Unglück. Am 1. April erreichte uns dann eine furchtbare Nachricht. Das Crewmitglied Sarah Young, die bereits seit dem vergangenen Sommer mehr als 300 Tage auf See war, wurde von einer Welle erfasst und von Bord gespült. Es gab keine Rettung mehr, ihr Körper konnte später nur noch tot geborgen werden. Im Gegensatz zu den vielen Amateuren, die an Bord mitsegeln, gehörte Sarah zu den erfahrenen Crew-Mitgliedern. Ihr Tod war ein Schock für alle. Zwei Tage später bestattete das Team Sarah auf hoher See, weil es noch zu lange Zeit hin ist, bis man wieder an Land kommen würde. Die Zeremonie schloss Charlotte, indem sie ein traditionelles Zulu-Lied für sie sang. Mit Sicherheit war das keine leichte Aufgabe.
Das Ende dieser Reise war überschattet von diesem tragischen Unglück und man kann sich nicht annähernd vorstellen, wie schwer und emotional das für das Team sein muss, mit den jeweiligen Gedanken und Gefühlen noch weitere drei Wochen auf diesem Boot zu sein.
Am 26. April erreichte die Crew Seattle und Charlotte wurde direkt von Hugo Tempelman und seiner Frau Liesje in die Arme geschlossen und herzlich zurück in der Familie begrüßt. Auf einer Charitygala gemeinsam von Ndlovu und Sapinda Vertretern bekam Charlotte die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen und bewegte die Anwesenden damit tief. Obwohl die Ereignisse schrecklich waren, ist Charlotte eine Gewinnerin und steht immer wieder auf. Ihr geht es gut und sie wird freudig zurück in der Heimat erwartet.
Gesund und glücklich wieder angelandetAuf der Spendengala erzählt Charlotte ihre Geschichte
Zu der Zusammenarbeit mit der Sapinda Rainbow Foundation erklärte Hugo Tempelman: „Die Zusammenarbeit zwischen Ndlovu und der Sapinda Rainbow Foundation mit dem Clipper-round-the-world-Yachtrennen und dem Zusammentreffen hier in Seattle eröffnet viele Möglichkeiten. Seattle ist die Hauptstadt der HIV/AIDS-Forschung und auch der Nächstenliebe. Die Synergie-Effekte zwischen unseren Projekten sind enorm. Wir sind alle der Meinung, dass HIV in der heutigen Zeit nicht mehr das Problem sein sollte, wie es derzeit noch ist und endlich ausgerottet werden sollte. Beide Parteien wollen übereinstimmend Gesundheitsstandards aufbauen und daran forschen, wie dieser Krankheit ein Ende gesetzt werden kann.“ Nachdem die Hugo Tempelman Stiftung den Kontakt zwischen Sapinda und Ndlovu hergestellt hat, freut es uns nun natürlich besonders, dass hier eine fruchtbare und nachhaltige Zusammenarbeit zustande gekommen ist.
Dank der großzügigen Unterstützung von Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“, organisiert durch die Hugo Tempelman Stiftung und Sponsorengelder der Tjommie Stiftung baut die Ndlovu Care Group einen brandneuen Minicampus in Bloempoort. Dieses Projekt wird eine enorme positive Veränderung im Leben der Kinder sein, die zu weit weg vom Elandsdoorner Campus wohnen. Der neue Campus wird aus einer Vorschule, einer Nutrition Unit und einem Chill Hub House bestehen. Wie schon im ersten Minicampus in Elandsdoorn, werden u.a. auch ein Sozialarbeiter und ein Lebenshilfeberater den Kindern und Jugendlichen zur Seite stehen. Es wird eine nachschulische Betreuung geben, um nicht nur die Schularbeiten zu kontrollieren, sondern auch Nachhilfe für Kinder und Jugendliche, die aufgrund familiärer Schwierigkeiten oder gesundheitlicher Probleme besondere Unterstützung brauchen. Ndlovu macht es sich zum Ziel, Kinder und Jugendliche und auch behinderte Kinder in allen Bereichen zu fördern: Beim Sport, in der Schule und im kulturellen/künstlerischen Bereich werden Talente gefördert – siehe z. B. den NDLOVU YOUTH CHOIR.
Ndlovu bietet ein einzigartiges ganzheitliches Vorsorge- und Versorgeprogramm: Kinder, bei denen man feststellt, dass sie ganz gleich ob im medizinischen oder sozialen Bereich bedürftig sind, werden in jeder Beziehung unterstützt. Ndlovu gibt diesen Kindern die Chance und das Wissen, sich selbst und die Umstände zu ändern, um ein normales Leben führen zu können. Dies alles mit dem großen Ziel die maximalen Möglichkeiten zu schaffen für eine Generation verantwortungsvoller, gesunder, arbeitsfähiger junger Südafrikaner. Das Ndlovu Research Consortium betreut dieses Projekt interdisziplinär, um somit evidenter als je zuvor in Südafrika eine Grundlagenforschung über integrative Kinderbetreuung zu betreiben. Davon werden nicht nur die Kinder in diesem Projekt profitieren, sondern die Gemeinde generell und auch die südafrikanische Regierung im Ganzen, die in der Lage sein wird, die Benchmarks dieser Einrichtung auf zukünftige ähnliche Projekte anzuwenden.
Dr. Hugo Tempelman, der die 24h-Mutter-Kind-Klinik im Jahr 1998 eröffnet hat und seit 2003 das PMTCT-Programm (Prevention of Mother to Child Transmission of HIV) betreibt, erklärt in einem offenen Brief:
Liebe Spender und Menschen, die ein großes Herz für Ndlovu haben,
mit großem Bedauern, aber in gutem Geiste möchten wir Sie darüber informieren, dass die 24h-Mutter-Kind-Klinik im Medical Center in Elandsdoorn geschlossen wird.
Wir wurden durch das Gesundheitsministerium informiert, dass die Privatkliniklizenz für den 24h-Betrieb nicht erneuert wird, solange nicht umfassende Investitionen getätigt werden. Es war nie unsere Absicht eine Privatklinik zu werden, aber das Anbieten eines 24h-Services bringt uns in diese Kategorie. Deswegen werden an uns die gleichen Standards angelegt wie bei den großen auf Gewinn ausgelegten Privatkliniken wie Netcare, MediClinic oder Life-Science-Krankenhausketten.
So waren wir gezwungen, die Tragbarkeit und Funktionalität der 24h-Mutter-Kind-Klinik realistisch zu prüfen, bevor wir uns für umfassende Neuinvestitionen entschieden.
Als wir 1998 starteten, Schwangerschaftsbetreuung anzubieten, war das Ndlovu Medical Center die einzige Klinik in Moutse für eine Gesamtbevölkerung von 120 000 Einwohnern. Im Laufe der Jahre hat das Gesundheitsministerium die Situation hier vor Ort verbessert und zwei neue Kliniken eröffnet, die beide Schwangerschaftsbetreuung anbieten, Marapo und Ntwane. Als Resultat daraus konnten wir bei Ndlovu in den letzten fünf Jahren einen Rückgang der Entbindungen in unserem Haus feststellen, von ungefähr 500 im Jahr auf 183 im Jahr 2015.
Bezüglich unseres einzigartigen PMTCT-Programms mit einer HIV-Übertragungsrate von weniger als 1% von der Mutter auf das Kind seit der Initiierung im Jahr 2003, können wir festhalten, dass wir auch hier unser Ziel erreicht haben: Das Ndlovu PMTCT Protokoll wurde vom Gesundheitsministerium übernommen und alle Kliniken in Südafrika haben mittlerweile eine sehr geringe Mutter-Kind-HIV-Übertragungsrate. Die Ndlovu Care Group hat ihre Forschungs- und Behandlungsergebnisse immer dem nationalen Ausschuss für PMTCT vorgelegt und damit wesentlich dazu beigetragen, dass sich das nationale Protokoll verbessert. Wir haben unser Ziel erreicht.
Der Vorstand der Ndlovu Care Group konstatiert weiterhin, dass Schwangerschaftsbetreuung und Dienstleistungen rund um die Geburt in dem sich wandelnden Umfeld bezüglich der ärztlichen Haftung ein großes Risiko für die gesamte Organisation darstellen. Zweimal wurde Ndlovu in der Vergangenheit in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, und auch wenn diese jeweils vor der Verhandlung beigelegt werden konnten, so stellten sie doch ein Risiko für die Organisation in all ihren Bereichen dar. Diese Fälle ärztlicher Haftung begründen die Notwendigkeit eines erweiterten medizinischen Versicherungsschutzes für die Ärzte der Ndlovu Care Group. Der zusätzliche Versicherungsschutz kostet ca. 130 000 R pro Jahr pro Arzt. Bei der Ndlovu Care Group arbeiten drei Ärzte, um den Service der 24h-Klinik abzudecken.
Alles in allem haben wir beschlossen, nicht gegen die Entscheidung vorzugehen, sondern uns daran zu halten und zu schließen. Die Ndlovu Care Group wird für ihre Mitarbeiter sorgen und wir sind dabei einen Plan zu erarbeiten, der allen so gerecht wie möglich wird. Viele interne Stellen werden durch das Personal der 24h-Klinik besetzt werden. Auch Stellen für neue Programme wie das Behinderten-Reha-Programm werden intern ausgeschrieben und besetzt werden.
Am Mittwoch den 13. April traf sich der Vorstand mit dem Kuratorium der Ndlovu Care Group und nach langen Diskussionen wurde beschlossen, die 24-h-Klinik mit sofortiger Wirkung gemäß dem Schreiben des Gesundheitsministeriums zu schließen.
Ein umfassendes Treffen mit allen Interessensvertretern, Mitarbeitern, der Gemeinde, Politikern und Parteien, traditionellen Führern, religiösen Gruppen und dem Gesundheitsministerium hat in den vergangen Tagen stattgefunden. Hierbei wurden alle über die Hintergründe unserer Entscheidung informiert und haben Verständnis gezeigt.
Die Ndlovu Care Group und alle ihre Patienten, die Tausenden Kinder, die in der Colombine Maternity Unit ohne HIV-Infektion geboren wurden, alle Mitarbeiter, der Vorstand und ich selbst möchten uns bei Ihnen bedanken für Ihre Unterstützung, die Finanzierung, die Herzenswärme, die uns entgegen gebracht haben, bei unseren Bemühungen, die medizinische Lücke zu füllen, die es in dieser Gegend gab.
Als eine NGO haben wir hier eine Lücke ausgefüllt, solange bis die Regierung selbst in der Lage war, dies zu übernehmen. Das ist es, was eine NGO tun sollte.
Mit Stolz können wir sagen, wir haben unser Bestes gegeben und geben dies nun, ohne zu zögern aus den Händen, da die Betreuung unserer Gemeinde ohne Unterbrechung weitergeführt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Hugo Tempelman
=== Nachtrag ===
Die Bilder sind während des Cosatu-Streiks (Congress of South African Trade Unions) 2010 entstanden. Die Klinik war derart überfüllt, dass die werdenden Mütter auf Matratzen im Flur auf ihre Niederkunft warten mussten. Neugeborene lagen zu zweit in Inkubatoren, weil nicht genügend zur Verfügung standen.
Selbstverständlich werden wir Sie weiter über die Arbeit von Hugo Tempelman, die vielen neuen Programme und Projekte nicht nur für die Gemeinde, sondern vor allem auch für die Kinder und Jugendlichen in diesem Gebiet informieren. Hugo und die Ndlovu Care Group konzentrieren sich nun verstärkt auf diese Projekte und setzten die Arbeit daran uneingeschränkt fort.
Ndlovu erweitert seine Forschungsprojekte um ein neues Feld und startet eine neue Studie –NORAST (Ndlovu ORAquick Self-Test). Untersucht wird die Anwendbarkeit des HIV-Tests für zu Hause. Mittels Speicheltest kann nun jeder selbst innerhalb von 30 Minuten einen „AIDS“-Test durchführen. Der Selbsttest soll helfen, schnell und ohne Arztbesuch Klarheit über das eigene Infektionsrisiko und das des Gegenübers zu liefern. Hier in den ländlichen Gebieten kann das durchaus als Vorsorgemaßnahme vor dem Geschlechtsverkehr angesehen werden. 2012 wurde dieser Test in USA zugelassen und seitdem angewendet. Um den Schnelltest durchführen zu können, muss sich der Betroffene Mundspeichel mithilfe eines Abstrich-Stäbchens entnehmen. Im Anschluss wird das Stäbchen in ein Röhrchen gegeben, in der eine Lösung enthalten ist. Das Ergebnis wird nach einer halben Stunde sichtbar. Mit Markteinführung des Selbsttests schlugen den Herstellern allerdings zunächst einige Bedenken entgegen. Vor allem war man skeptisch, den Verbraucher mit dem Test und dem etwaigen Ergebnis allein – ohne ärztliche Unterstützung – zu lassen. Die NORAST-Studie der Ndlovu Care Group soll einen Überblick darüber verschaffen, inwieweit die Menschen ohne personelle Anleitung den illustrierten oralen Schnelltest verstehen und erfolgreich selbst ausführen können.
Der neue Campus in Bloempoort nimmt immer sichtbarere Formen an. In dieser äußerst entlegenen Gegend entsteht mithilfe von Bild hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“ ein Mini-Campus mit Nutrition Unit, Chill Hub und Computerraum sowie einer Vorschule. Das wird ein großer Fortschritt für dieses Gebiet werden und für die Menschen die hier leben. Aktuell befindet sich das Projekt im Bau, die Fertigstellung und Eröffnung soll im Juli dieses Jahres erfolgen
In der Zwischenzeit wurden bereits Wasserlöcher gebohrt, nicht nur zur Versorgung des Bauprojektes, sondern natürlich auch zur freien Nutzung für die Gemeindemitglieder, von denen manche noch niemals davon profitierten, dass es klares frisches Trinkwasser in ihrer Nachbarschaft gegeben hat.
Im November vergangenen Jahres berichteten wir über die großzügige Spende der Firma Thomann, die dem Ndlovu Youth Choir neue Instrumente und die Einrichtung für ein Tonstudio und eine DJ-Ausrüstung zur Verfügung stellt.
Nun sind die Instrumente endlich eingetroffen und die Kinder bedanken sich überschwänglich mit folgendem kleinen Video.
Der Wunsch des Chorleiters Ralf Schmitt nach Equipment für ein Tonstudio, in dem eigene Produktionen aufgenommen und auch Jugendliche ausgebildet werden können, sprengte den Rahmen der Spende, sodass wir als Stiftung zusätzlich unseren finanziellen Beitrag leisteten. Wir sind der Überzeugung, dass die Förderung der musikalischen Talente eine wichtige soziale Rolle spielt, und wollen deshalb alles unternehmen, um derartige Bemühungen zu unterstützen.
Gerade deswegen hat uns der folgende Facebookpost des Ndlovu Youth Choirs sehr gefreut:
„Der Ndlovu Youth Choir hat am vergangenen Wochenende Chöre aus der Umgebung zu einem Chor-Festival im Miracle Theater eingeladen. Es war eine wunderbare Vorstellung des Chores, für viele der neuen Mitglieder war es das erste Mal, dass sie im Theater auftraten. Hierbei kamen auch die neuen Chormikrofone erstmalig zum Einsatz, was extrem gut funktioniert hat mit dem Digitalmischpult, das die Hugo Tempelman Stiftung gesponsort hat. Unseren allergrößten Dank dafür. Wir planen noch viel mehr derartige Konzertveranstaltungen, um den Chor bekannt zu machen und mit andern Chören in Gauteng zu vernetzen.“
Wenn Hilfe so direkt ankommt, genutzt und umgesetzt wird, dann ist ein großes Ziel erreicht. Wir freuen uns mit der Unterstützung zahlreicher Spender so viel Entwicklung in Gang zu bringen, so viel neue Ideen entstehen zu lassen.
Auf der diesjährigen Jahreskonferenz CROI (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections) in Boston berichtete Hugo Tempelman über den Erfolg der sogenannten Ring-Studie, eines Forschungsprojektes des IPM Ndlovu Research Teams (Internationale Partnerschaft für Mikrobizide). Diese Studie stellt eine wichtige wissenschaftliche Errungenschaft im Bereich der Frauengesundheit dar und kann der HIV-Prävention ein ganz neues Gesicht geben.
Frauen tragen in Südafrika am schwersten an der Last des Aids-Virus und seiner möglichen Verbreitung. Verhütung mit Kondomen ist für den Großteil der Männer nicht annehmbar, in einer festen Beziehung schon gar nicht. Seit Jahren schon wirbt die Ndlovu Care Group offensiv für den Gebrauch von Präservativen. Mit der Ring-Studie wurde eine ganz neue Form der Ansteckungsverhütung getestet. Untersucht wurde, ob die monatliche Verhütung mit einem Vaginalring, der das antiretrovirale Medikament Dapivirine enthält, sicher helfen kann, HIV-Infektionen bei Frauen zu verhindern.
Die Ring-Studie ist eine von zwei großen Phase-III-Studien – die Parallelstudie ASPIRE wurde von MTN (Microbicide Trials Network) durchgeführt. Zusammen hat man über 4.500 Frauen in einer Langzeitstudie getestet. Die Ring-Studie hat gezeigt, dass der monatlichen Dapivirine-Ring HIV-Infektionen um insgesamt 31 % senkt (im Vergleich zum Placebo). Ähnliche Ergebnisse erzielte ASPIRE: Sie konstatierten eine Senkung des Infektionsrisikos um insgesamt 27 %. Dies ist das erste Mal, dass zwei Phase-III-Studien die statistisch signifikante Wirksamkeit von Mikrobiziden zur Verhinderung von HIV bestätigt haben.
Die Ergebnisse der Studie wurden heute von Frau Dr. Annalene Nel vom IPM präsentiert und mit stehenden Ovationen bejubelt. Diese Erkenntnisse sind ein riesiger Durchbruch im Kampf gegen das AIDS-Virus. Viel wurde schon getan, doch viel mehr wird getan werden müssen. Dies ist ein weiterer großer Schritt auf dem langen Weg.