Aktuelles aus dem Jorishaus – dem Betreuungszentrum für behinderte Kinder der Ndlovu Care Group

Das Jorishaus der Ndlovu Care Group hat nun schon sein erstes Quartal beschlossen. Zeit, einmal einen Blick auf die aktuellen Zahlen zu werfen. 19 Kinder sind derzeit aufgenommen. Sie sind zwischen 4 und 25 Jahren alt. 9 haben zerebrale Lähmung und 10 Intelligenzbeeinträchtigungen.

Das kleine Team, das die Kinder nach diesem innovativen Ansatz gemeinschaftlicher Förderung betreut, besteht aus einem Ergotherapeuten und zwei Gesundheitshelfern aus der Gemeinde unter der Leitung von Moronga Magongoe.

Über das Jorishaus berichteten wir kürzlich. Lesen Sie hier und schauen Sie sich den Beitrag an:

Künstlerisches Gestalten ist eine wichtige Beschäftigung für die Kinder.

Erstaunliche kleine Kunstwerke entstehen im Unterricht.

Auf regelmäßige und gesunde Ernährung wird sehr viel Wert gelegt.

Eine neues Research Center in Elandsdoorn für die Forschung

Südafrika ist immer noch einer der weltweiten Hotspots der HIV-Epidemie. Unter den Subsahara-Länder ist es eines der Länder mit der höchsten HIV-Prävalenz der Welt. Dies führt zu einer deutlichen Reduktion der Lebenserwartung der südafrikanischen Bevölkerung. Hierunter haben vor allem die Kinder zu leiden, die nicht nur um ihre Zukunft, sondern auch um ihre Kindheit betrogen werden. Die Krankheit nimmt ihnen die Eltern, oft bleiben sie gänzlich verwaist zurück. Die Ndlovu Care Group tut für diese Kinder, was sie kann. Der ganzheitliche Ansatz greift von der Sicherung der Wohnsituation über regelmäßige und gesunde Ernährung bis hin zur schulischen Ausbildung. Doch in den Jahren hat man festgestellt, dass das nicht reicht. Das Problem muss bei der Wurzel gepackt werden. Man versucht die Auswirkungen der Krankheit so gut es geht einzudämmen, ihr Ausbreiten durch Aufklärung und Medikation zu verhindern. Doch was weiß man über diese Krankheit? Wird es möglich sein, die Infektion gänzlich zu verhindern oder gar zu heilen? Dazu muss man mehr wissen. Und um Wissen zu erlangen, muss man Forschen und Beobachten.

Die Ndlovu Care Group hat ihre Forschungsinfrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. In Elandsdoorn sind zwei neue Zentren für die Forschung entstanden. Das neueste kombinierte Forschungszentrum mit Labor soll im September dieses Jahres eröffnet werden.

Die Ndlovu Care Group will den Aufbau von Forschungskapazitäten in Afrika fördern, akademische und evidenzbasierte Arbeitsmethoden in den ländlichen Gegenden von Limpopo einführen und beste Bedingungen zur Re-Migration von professionellen Kompetenzen in die ländlichen Gegenden bereitstellen. Hierzu wird eine verbesserte Forschungsinfrastruktur geschaffen und herausfordernde Forschungsprogramme akquiriert.

Im vergangenen Jahr stand die Forschung zur HIV-Verhütung mittels Vaginalring im Fokus. Die ersten Resultate waren überzeugend und wurden im letzten Jahr in Boston präsentiert. Jetzt geht es um die Registrierung des Medikaments. Derzeit arbeitet man daran eine Studie für HIV Vaccine Trials Network aufzusetzen, die einen Impfstoff gegen AIDS entwickelt haben und nach der Tierversuchsphase nun zur Humanstudie übergehen. Wir berichteten in der vergangenen Woche darüber. Ndlovu ist eines von 12 Laboren, die die Studie durchführen. Es gibt in Südafrika nicht viele Organisationen, die das bewerkstelligen können.

Um für all diese Studien gerüstet und qualitativ ausgestattet zu sein, war der Bau einer neuen Einrichtung überfällig. Die bisherigen 48 qm Forschungslaboratorium platzen längst aus allen Nähten. Denn die Patientenakten der betreuten Studien müssen bis zu 15 Jahre aufbewahrt werden. Der Bau des neuen Hauses begann im August letzten Jahres. 17 Konsultationszimmer, 4 Büros und ein Besprechungsraum umfasst das Erdgeschoss. Im oberen Stockwerk befindet sich ein Labor. 512 qm stehen nun für umfassende Studien und Untersuchungen zur Verfügung. Die Ausstattung ist hochwertig und auf dem allerneusten Stand, um zu garantieren, auch für weitere zukünftige Studien qualifiziert ausgestattet zu sein. Es gibt sogar eine Rampe zur Auffahrt für Rollstühle. Das Research Center ist vermutlich das Einzige im ländlichen Raum Afrikas, das auch eine Einrichtung zur Plasmaaufbewahrung hat. Sechs Kühlschränke mit -84 Grad und einer mit -125 Grad Celsius stehen zur Aufbewahrung der Zellen hier zur Verfügung.

Die Baukosten dagegen waren vergleichsweise niedrig: selbst entwickelt und gezeichnet, nur mit Handwerkern aus der Gemeinde gebaut. So entspricht es auch dem Grundsatz der Ndlovu Care Group – Förderung der Gemeinde vor Ort. Nur das Polyvinyl für den Boden, das Glas und Aluminium wurden professionell zugekauft. So belaufen sich die Investitionskosten bei weniger als einer halben Million Euro. Das gesamte Research Center ist solarbetrieben und reduziert damit CO2-Emissionen. Damit ist es das erste seiner Art im ländlichen Raum Afrikas.

Die Vorinvestitionen sind hoch, damit wird allerdings in die Zukunft investiert. Die Chancen, die dieses Forschungsgebiet mit sich bringt, sind enorm. Nicht nur den Menschen vor Ort kann geholfen werden. Die Erkenntnisse sind übertragbar – in ganz Afrika wie auch auf die gesamte industrialisierte Welt, in der AIDS vielleicht keine alltägliche Bedrohung aber doch eine nicht kleinzuredende Realität für viele ist. Den Kindern vor Ort sichert diese Forschung zumindest eine Zukunft.

 

Behindertengerechter Eingang zum neuen Research Center der Ndlovu Care Group in Elandsdoorn. Die Rampe stellt sicher, dass wirklich jeder zur Untersuchung kommen und Teil wichtiger Forschung sein kann.

 

Erste Innenansichten des neuen Forschungszentrums.

Das Labor wird auf dem neuesten Stand der Forschungstechnik sein.

Das Gebäude wird komplett mit Solarpanelen ausgestattet, sodass es möglichst energieeffizient betrieben werden kann.

Mitreißende Vorstellung des Chors und der Theatergruppe im Miracle

Wie angekündigt fand am vorigen Wochenende das Treffen des Ndlovu Youth Choir und des Mzansi Youth Choirs statt und wie erwartet war es ein großartiger Auftritt. Die jungen Sänger trafen sich zum ersten Mal am Vormittag und sofort sprang der Funke über. Den enthusiastischen Auftritt sehen Sie in folgendem Film.

Neben dem brillanten Chorkonzert gab es auch eine Aufführung der Theatergruppe. Autorin und Regisseurin ist das ehemalige Chormitglied Keaobaka Makanyane. Keaobaka spielte zusammen mit Khomotso im Jahr 2011 die Hauptrollen im Elandsdoorn-Film „Life above all“. Für Ihr Schauspiel wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Nun ist Keaobaka zurück bei der Ndlovu Drama Group und unterstützt und hilft, wo sie kann. So entstand ein hervorragendes Schauspiel über die sozialen Missstände in den ländlichen Gemeinden. Die jungen Nachwuchsschauspieler haben das Publikum verzaubert.

Nachwuchsschauspieler der Ndlovu Drama Group

Nachwuchsschauspieler der Ndlovu Drama Group

 

Auftritt der Ndlovu Drama Group

 

Begeisterung im Miracle Theater

 

Ein Impfstoff gegen HIV – Ndlovu ist Teil der Forschung

Ein HIV-Impfstoff ist das ultimative Ziel an dem Forschungsgruppen intensiv forschen. Im April 2016 kontaktierte das HIV Vaccine Trails Network Dr. Hugo Tempelman. Das Network hat einen Impfstoff gegen AIDS entwickelt und will nun nach der Tierversuchsphase in die Humanstudie starten. Man ist auf der Suche nach Laboren, die die zweite Phase einer Impfstoffstudie durchführen könnte. Das stieß auf lebhaftes Interesse und die Überlegungen wurden konkretisiert.

 

Das HIV Vaccine Trials Network ist ein internationales Netzwerk von Forschern, Kliniken und Laboren, die zusammen am großen Ziel arbeiten, einen Impfstoff gegen HIV zu finden.

Die Behandlung von HIV-Infektionen und Aids wurde dramatisch verbessert. Doch ist das kein Ersatz für eine umfassende Prävention. Aktuelle HIV-Medikamente sind sehr teuer und haben viele Nebenwirkungen. Manche Patienten entwickeln eine Immunität gegen die Medikamente. In diesem Fall muss die gesamte Medikation geändert und angepasst werden. Oft ist das für die Patienten sehr beunruhigend und anstrengend. Auch die regelmäßige Versorgung mit Arzneimitteln ist nicht immer gesichert. Auch gibt es in Entwicklungsländern oft nicht die gleichen Medikamente wie in den Erste-Welt-Ländern. Die Anzahl der Neuinfektionen übersteigt immer noch die optimalen Versorgungsmöglichkeiten der bereits Infizierten.

Das Ndlovu-Forschungsteam, vertreten durch Jerry Marobyane, Dr. Robert Moraba, Liesje Tempelman und Dr. Hugo Tempelman nahmen an einer Konferenz teil. Hier wurden drei Tage Brainstorming, Vorträge und Informationen über den bevorstehenden HIV-Impfstoff-Prozess präsentiert.

Ndlovu ist stolz, Teil eines so international angesehenen Netzwerks zu sein.

 

Das Ndlovu-Forschungsteam, vertreten durch Jerry Marobyane, Dr. Robert Moraba, Liesje Tempelman und Dr. Hugo Tempelman nahmen an einer Konferenz zur Erforschung eines HIV-Impfstoffs teil.

Charlottes berührende Geschichte

Im vergangenen Jahr lernte Clemens Schick die junge Elandsdoornerin Charlotte kennen. Ihre Geschichte bewegte ihn und uns sehr. Wir haben größten Respekt vor diesem Mädchen, das sich nach dem Tod der Mutter allein durchs Leben schlagen musste. Mittlerweile ist Charlotte im Kinderhilfsprogramm der Ndlovu Care Group aufgefangen und eingebettet. Von hier aus macht sie erfolgreich ihren Weg. Ihre Geschichte schildert sie eindringlich und ergreifend in folgendem kleinen Beitrag.

 

Mehr über Charlotte lesen Sie hier:

Charlotte – Eine Gewinnergeschichte mit Höhen und Tiefen

Charlotte wird Rettungsassistentin

 

Behinderte Kinder in Südafrika?

Was ist mit behinderten Kindern in Südafrika? Diese Frage, die unser Botschafter Clemens Schick bei seinem Besuch stellt, ist nicht unberechtigt. Liesje klärt auf, dass behinderte Kinder in der Gemeinschaft oft versteckt werden. Es wird als Fluch angesehen, als Strafe für böse Taten, wenn man ein behindertes Kind zur Welt bringt. Das ist der Grund, warum behinderte Kinder und deren Familien oft ausgestoßen sind und ins soziale Abseits geraten.

Die Ndlovu Care Group hat sich in diesem Jahr das Ziel gesetzt, dem entgegen zu wirken. Es sollen mehrere Tagebetreuungsstätten eröffnet werden, die sich ganz diesen Menschen widmen. Dabei sollen diese keine Betreuungsheime darstellen, sondern die Kinder wie auch die Eltern sollen hier ausgebildet werden. Ihnen wird gezeigt, wie mit der jeweiligen Behinderung umzugehen ist, wie die Kinder gefördert werden können. Es ist ein Tagesprogramm. Die Kinder werden nicht aus den Familien genommen. Drei Tage in der Woche ist das Programm im Haus, drei Tage gehen die Mitarbeiter zu den Familien nach Hause, sehen sich die Lebenssituationen vor Ort an und geben praktische, individuelle Hilfestellung, wie der Alltag behindertengerechter gemeistert werden kann. Die erste Einrichtung, das Jorishaus wurde bereits eröffnet und ist ein Riesenerfolg! Am ersten Tag kamen 27 Familien mit behinderten Kindern.

Das Jorishaus war ursprünglich als Frauenhaus geplant, aber das Sozialamt nutzte die Einrichtungen nicht. Nach langem Leerstand wurde es nun zum ersten Behindertenzentrum der Gegend umgebaut. Der Entschluss war langwierig, da ein ganz neues Kompetenz- und Behandlungsfeld bei Ndlovu aufgemacht wurde. Die Sicherstellung einer qualifizierten personellen Begleitung der kleinen Patienten stand hierbei im Vordergrund. Nicht nur das medizinische Personal muss entsprechend ausgebildet sein, sondern auch die sozialen Betreuer, die den Familien Hilfestellung geben. Sogar der Tischler wurde für seine Arbeit entsprechend geschult und fertigte behindertengerechte Übungsgeräte für das Haus an. Die Betreuung fußt auf dem Conductive Education System. Es werden Generalisten dabei ausgebildet in übergreifenden Bereichen der Physiotherapie, Orthopädie, Logopädie, Kinderbetreuung. Im weiteren Verlauf soll es eine Ausbildungsschule geschaffen werden.

Auf gesunde und regelmäßige Ernährung wird hier viel Wert gelegt.

Die ersten Besucher des neuen Behindertenzentrums.

Begrüßung der ersten Familien

Auch Sport gehört zum Programm des Behindertenzentrums.